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Spenden haben keine Beine

Es weihnachtet und alle sind gespannt, wen oder was die Medienschelte denn dieses Jahr trifft. Da taucht eine Tabelle am Horizont auf mit den Namen von Organisationen, die ihren Sinn und Zweck, ihre Hilfe und ihre Wirkung besonders transparent oder eben weniger transparent im Netz darstellen.

Die einen wundern sich, dass nicht von Verwaltungskosten die Rede ist. Andere regen sich darüber auf, wenn sie überhaupt erwähnt werden. Johannes B. Kerner hat sie am Samstag sogar in der Gala „Ein Herz für Kinder“ genannt. Nun, er hat gut lachen und gute Karten: Verwaltungs­kosten für die Aktion übernimmt der Axel Springer-Verlag – so Kerner.

Doch gut, dass es angesprochen wird. Gut, wenn darüber geredet wird. Meine Meinung. Denn ohne Verwaltung, ohne Mietkosten, ohne Gehälter (auch für Fundraiser), ohne Information, ohne Portokosten, ohne Spenderservice geht es eben nicht.

Was sollen die machen, die ihre Verwaltungskosten selbst stemmen müssen? Den Kopf einziehen und hoffen, dass keiner fragt? Ich meine, dass jeder was machen kann, damit Verwaltungskosten nicht zum Unwort irgendeines Jahres gewählt werden. Wir Menschen stehen doch meist demjenigen besonders kritisch und ängstlich gegenüber, das wir nicht kennen, das uns nicht vertraut ist. Oder? Darum möchte ich jeden anregen: Macht die Spender mit den „Verwaltungskosten“ und den Menschen, die dahinterstehen, vertraut – ja, auch hier geht es um Menschen.

Möglichkeiten zur Transparenz gibt es viele: das Netz, die Social-Media-Kanäle, der Newsletter, der Jahresbericht. Jeder kann erzählen, wie wichtig Buchhalterinnen sind. Wie wertvoll Mitarbeiter sind, die Projekte sorgfältig planen, damit Hilfe nicht ins Leere läuft. Und wie notwendig auch Information und Spendenbitten sind (nein, keine Organisation dengelt im Keller ihre Spendenbriefe von Hand und lässt sie von einem geflügelten Boten persönlich in jedes Haus tragen). Die „Verwaltungskosten-Menschen“ sind ein wertvolles Bindeglied. Sie bauen die Brücke zwischen den Spendern und den Menschen und Helfern vor Ort.

Am Wochenende hat nach nur 13 Monaten wieder ein Taifun die Philippinen heimgesucht. Und es werden die „Verwaltungskosten-Menschen“ sein, die Spender informieren, motivieren und bewegen, die Hilfe planen, bereitstellen und auf den Weg bringen – denn Spenden haben nun mal keine Beine.

Übrigens: Alan Clayton, Schotte und Partner von Ken Burnett, meinte einmal: „Wir gehören zu den Guten.“ und „Wir müssen uns nicht dafür schämen, was wir tun.“ Recht hat er. Vielleicht fehlt manchen „Verwaltungskosten-Menschen“ einfach nur ein bisschen Selbstbewusstsein?

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